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Standpunkte-Podcast Nr. 1: Mobile Arbeit

Wir starten unseren neuen Politik-Podcast des Hauptgeschäftsführers der norddeutschen Metall- und Elektroindustrie, Dr. Nico Fickinger, mit dem Thema Mobile Arbeit.

Sie können unseren neuen Standpunkte-Podcast zur mobilen Arbeit oben ansehen, hier als MP3 anhören oder hier bei

anhören.

Dem Podcast zur Mobilen Arbeit und dem sog. Homeoffice (korrekterweise "Telearbeit") liegt folgendes Manuskript zugrunde:

Alexander Luckow: Der SPD-Bundesarbeitsminister ist mit seinem Recht auf Homeoffice an der Union gerade gescheitert, an diesem Freitag legt die FDP im Bundestag ihre Ideen für eine Neuregelung der flexiblen Arbeitens vor. Was wollen die norddeutschen M+E-Arbeitgeber?

Dr. Nico Fickinger: Unsere Mitgliedsfirmen brauchen mehr Flexibilität und weniger Regulierung. Einen Tarifvertrag „mobiles Arbeiten“ haben wir längst mit der IG Metall Küste geschlossen, aber auf einen modernen gesetzlichen Arbeitszeit-Rahmen warten wir seit Jahren vergeblich.

Alexander Luckow:  Nicht alle Branchen sind so weit wie die Metall- und Elektroindustrie.

Dr. Nico Fickinger: Und trotzdem braucht niemand einen gesetzlichen Anspruch auf Homeoffice. Zwischen 60 und 90% der Unternehmen in Deutschland nutzen bereits mobiles Arbeiten, und wo das nicht geht, liegt es in der Regel an der Art der Arbeit: Feuerwehrleute oder Krankenschwestern können eben schlecht von zu Hause arbeiten.

Alexander Luckow: Was wäre so schlimm daran, denen, die es können, ein Recht auf Homeoffice zu geben?

Dr. Nico Fickinger: Schlimm ist, dass das Bundesarbeitsministerium glaubt, vom Berliner Regierungstisch aus alles besser regeln zu können als die Tarif- und Betriebsparteien vor Ort. Gerade in Corona-Zeiten hat es einen enormen Schub für mobiles Arbeiten gegeben, alte Denkmuster wurden überwunden und eine Vielzahl von passgenauen Lösungen geschaffen. Aber ein Erfolg wird mobiles Arbeiten nur dann, wenn es beiden Seiten nutzt. Ein einseitiger Anspruch nur der Arbeitnehmer wäre kontraproduktiv und würde zu einer Spaltung der Belegschaften führen. Hier die Bürokräfte und Software-Spezialisten, dort die Werker am Band - und auch eine Spaltung zwischen den Privilegierten, die ein häusliches Arbeitszimmer haben, und jenen, die am Küchentisch arbeiten müssten.

Alexander Luckow: Die Niederlande werden hier häufig als Vorbild genannt. Was können die Holländer besser als wir? 

Dr. Nico Fickinger: Dort gibt es ein faires Erörterungsrecht zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber statt einseitiger Rechtsansprüche. Im Dialog werden Lösungen gefunden. Außerdem sparen sich die Niederländer Wohnungskontrollen und Papierkram, davon sollten wir lernen. Denn das wäre die Folge von echtem Homeoffice im Sinne von Telearbeit: Der Arbeitgeber müsste dann die Wohnung seiner Mitarbeiter kontrollieren. Ich habe große Zweifel, ob das im Sinne der Arbeitnehmer ist.

Alexander Luckow: Sind die deutschen Regelungen wieder einmal zu streng?

Dr. Nico Fickinger: Definitiv. Wir sollten uns an den Rechtsrahmen halten, der für alle Länder in der EU gilt. Das ist ein wöchentlicher Arbeitszeit-Rahmen von 48 Stunden maximal. 
Innerhalb dieses Rahmens - und im Einklang mit den nationalen Regeln - sollten Arbeitgeber und Arbeitnehmer einvernehmlich die Verteilung der Arbeitszeit bestimmen können. Wichtig ist nicht nur, wo man arbeitet, sondern auch wann man arbeitet. Wer mehr Selbstbestimmung möchte, muss beides flexibel gestalten.

Alexander Luckow: Das spricht alles für eine umfassendere Neugestaltung des Arbeitsrechts, um mehr Flexibilität und weniger Bürokratie zu schaffen.

Dr. Nico Fickinger: Der Hamburger Wirtschaftsprofessor Thomas Straubhaar hat das kürzlich sehr treffend auf den Punkt gebracht: Das Bundesarbeitsministerium, so sagte er sinngemäß, versucht die neue Realität in ein altes Regulierungssystem zu pressen, statt das alte Denken und Handeln einer neuen, veränderten Lebenswirklichkeit anzupassen. Unsere Mitgliedsbetriebe sind hier dem Gesetzgeber meilenweit voraus. Sie brauchen gerade in schwierigen Zeiten wie jetzt mehr Bewegungsfreiheit im Personaleinsatz, um den Industriestandort Deutschland und die Arbeitsplätze hier im Norden gegen eine immer stärker werdende weltweite Konkurrenz zu halten und zu sichern.